Herbstatmen

Der Herbst atmet heute. Nicht laut, nicht dramatisch, eher dieses tiefe, gleichmäßige Atmen von jemandem, der schon viel erlebt hat und weiß, dass man für die nächsten Wochen Kraft braucht. Innen und außen dunkel. Ich merke, wie sich mein eigener Rhythmus daran anpasst – langsamer, weicher, ein bisschen nach innen gekehrt.

Die Luft hat diesen Geruch von feuchter Erde, irgendwo ein Hauch von Rauch, der noch vom Sommer übrig geblieben ist. Sie klingt nach sanften Stimmen und Rhythmen von Andrew Belle’s ‚Dive Deep‘. Der Moment, in dem die Tage anfangen, sich zu räuspern, bevor sie kürzer werden. Die Sonne begibt sich über den Dachgiebel, und entlang der Häuserkante, aber man merkt, dass sie weniger überzeugen will. Sie hält sich zurück, als hätte sie beschlossen, den Herbst schrittweise vorzulassen.

Im Park liegen ein paar Blätter, die gestern noch gelb waren. Zarte Blattfasern der Brüchigkeit, welche an Menschen erinnert, die versuchen stark zu wirken, obwohl sie schon längst müde sind. Vielleicht ist das der Grund, warum mich diese Jahreszeit so berührt – sie ist voller Dinge, die loslassen, ohne dass jemand es groß kommentiert.
Der Wind, der leicht frösteln lässt, um von einer leicht warmen Böe verfolgt zu werden. Die leise Nachfrage nach dem Bereitsein. Und die Frage nach dem Bereitsein für den Schritt des Loslassens. Wenn ich etwas zu verlieren hätte wäre das Teil des Verlaufs des Lebens? Was schätzen wir uns was werten wir auf? Was lieben und schätzen wir wirklich, und was lieben wir, weil wir es benötigen?

Der Herbst erinnert an Übergänge, an verpasste Anrufe, an Gedanken, die man seit Wochen mit sich herumträgt, aber nie wirklich ausspricht. An Gesichter, die wieder gesehen werden müssten. An Gespräche, die darauf warten geführt zu werden. An Umarmungen, die eine Mischung aus Wärme und Wehmut geben.

Er bringt diese Melancholie mit, die nicht wehtut, aber trotzdem den Brustkorb enger zurrt. Die Stadt klingt anders am diesen Tage. Kühle Motoren, mehr Schritte. Weniger Lachen, mehr Atemzüge. Vielleicht nur ein Schein, dass Menschen in dieser Zeit vorsichtiger werden, fast zarter. Wie ein gelbes Blatt. Als wüssten wir alle unbewusst, dass wir gerade an der Jahreszeit vorbeigehen, die uns daran erinnert, wie vergänglich alles ist. Sie nimmt und gibt Sicherheit gleichermaßen, lässt beobachten und geschehen. Lässt das Spiel zwischen Liebe und Hass aus einer Distanz weiterlaufen, um irgendwann aktiv daran teilzunehmen. Lässt aktiv die Sicherheit suchen.

Ich lehne mich zurück, ziehe die Beine an, und für einen Moment ist alles still.
Nur dieses Atmen. Der Herbst, ich, und dieses Gefühl, dass etwas endet, ohne dass man genau weiß, was danach kommt.
Und in dieser Ungewissheit liegt eine Ruhe, die ich im Sommer nie finde.
Vielleicht ist das das Geheimnis des Herbstes – er nimmt nichts, ohne ein bisschen Frieden dazulassen.

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Herbstsonne

Die Blätter fielen sanft auf den erdigen Boden. Aufgeweicht vom frühen Regen. Sanfte Nebeldecken ziehen sich zurück und lassen den Blick frei für das tiefe blau des Sees. Nebelschwaden, die das grün der Felder noch intensiver scheinen lässt. Eine Magie, die langsam den Blick in die Weite freilegt. Sonnenstrahlen, die sich durch die leichte graue Decke kämpfen. Strahlen in einem gelborangenen Ton, die durch das Fenster brechen und die kleine Sitzecke in eine Idylle tauchen. Sonnenstrahlen, die im Shavasana mein Gesicht wärmen und meine Nase streicheln. Eine Herbstsonne, die Raum und Seele mit einem wohligen Gefühl füllt.

Ein Kaffee, ganz weit entfernt von dem Alltag. Ein Blick auf das rege Treiben auf der Straße. Im geduldigen Beisein ohne Zeitgefühl, ist ein Gespräch inspirierender als gedacht. Weiter weg, eine malerische Landschaft, die Ruhe schenkt. Herbstfarben, die die Augen erfüllen. Gebäude, die Erinnerungen und neue Ideen wecken. Jeder Schluck aus der porzellanenen Tasse trägt hinweg von dem Stress der letzten Tage. Jeder Schluck ein Energie tanken und ein Innehalten. Ein Sonnenstrahl, der die leeren Batterien wieder zu füllen versucht.

Oktober, irgendwo zwischen einem in-sich-versinken und Änderungen herbeisehnen. Tage der Müdigkeit – vom Jahr, von den Monaten – zehren an der vollen Wahrnehmung der Momente. Und dennoch versucht man das Leben mit jeder Faser aufzusaugen. Momente, die einen zum Lachen bringen vollständig auszukosten. Manchmal präsent und manchmal im Tagtraum gefangen.

Entlang laufende Straßen gefüllt mit kleinen spannenden Dingen, die sich im spiegelnden Fenster entdecken. Freude, die sich in den Augen spiegelt und die Positivität direkt überträgt. Die fast überlappend den leeren Topf mit Energie und Lebensfreude füllt. Schrittweise.

Pep Talks von Freunden, welche man dachte nicht hören zu müssen. Freunde, die Räume für Perspektiven geben, sich selbst reflektieren – in einem schönen Ton. Räume voller inspirierenden Gesprächen und Themen. Schrittweise die Wahrheit erkennen und aufnehmen. Sich selbst wieder erkennen in der eigenen Wahrheit und dem eigenen Sein.

Die Suche nach den Sternschnuppen am gefüllten Horizont. Das Suchen nach der Antwort auf all die offenen Fragen. Die Suche nach etwas Greifbarem. Suchten und wurden gleichzeitig vom Leben erfüllt. Und am Schluss bleibt das Glücksgefühl und die Erinnerung an diese Momente, so fern und frei

Berlin being Berlin. Wenn man Schmutz und Chaos auf die Seite schieben kann. Es scheint als könnte man das Leben gut genießen. Den Zauber im Kleinen weiterhin finden. Das orangene Leuchten überdeckt all das grau, das in den Ecken schlummert. Farben, die die Stadt in ein warmes Licht hüllen. Der Abschied und der Abschluss eines Kapitels – um mit der nächsten Seite ein neues zu öffnen.

Simple life – wenn die Herbstsonne scheint.

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Rosenblätter

Rosen aus dem Garten meiner Eltern. Sie duften nach „Jil Sander Sun“. Sie versprühen Nähe, verbreiten Ruhe und gleichzeitig das Gefühl einer vollgeplanten Tageszeit. Das Herz voller Liebe. Ein Blick voller Sanftmut. Eine wärmende Umarmung. Die Gewissheit von Geborgenheit. Die Zuflucht in den schwächsten Momenten.

Sonnige Sommermonate, die einen Frühling in sich bergen.

Als erste Tat des Morgens öffnete ich den Klappladen meines Fensters. Unten an der Straße fuhr ein einsames Auto vorbei. Der morgendliche Nebel erfrischte die Luft. Darunter der Rosenbusch. Im Sommer noch prall grün, mit dichten Blüten, die den ganzen Garten zu füllen schienen. Jetzt, im September, lagen seine Blätter in zunehmender Zahl darunter. Ein rosafarbener Teppich, leise fallend, Schritt für Schritt.

Ich band mir die Schnürsenkel und schwang die Tasche auf die Schultern. Beim Hupen des Zuges sprintete ich am fast verblühten Busch vorbei.

Begeistert sah ich hinaus. Schneeflocken wirbelten durch die Luft, legten sich auf den Vorgarten – nur um genauso schnell wieder zu verschwinden. Oben die weiße Schönheit, unten die traurige Leere der Gartenerde.

Mit Inlinern fuhren wir die rau geteerte Straße auf und ab. Wir trugen die Milchkanne zum Bauern, brachten sie gefüllt zurück nach Hause. Immer vorbei am sich grünenden, blättergefüllten Rosenbusch. Die Vögel zwitscherten, während ich den Fensterladen öffnete. Auf dem Heimweg versuchte ich, durch den Duft – vorbei an densich öffnenden Knospen – das Mittagessen zu erraten.

Die kleinen Röschen, kunstvoll eingeflochten in den Blumenkranz für den Maientag, präsentierten sich stolz auf den Köpfen der Mädchen vor der Haustür.

Rosen, Begleiter des Heranwachsens. Rosen, die einen sich entwickelnden Charakter still beobachten. Rosen, die wie die Menschen, die sie streifen, aufblühen. Rosen, die Schutz suchen. Rosen, die die Sonne in sich aufsaugen. Rosen, die Stiche versetzen können. Rosen, die gehen – um wiederzukehren.

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August

Wenn die Tage endlos scheinen. Wenn die Morgenstunden magisch wirken. Wenn die Dämmerung den Horizont in eine gesamte Farbpalette taucht. Wenn die Freude den Körper tanzen lässt. Wenn die Weite endlos scheint. Wenn sich Erinnerungen mit Leichtigkeit festsetzen. Wenn die Freiheit am stärksten spürbar ist. Wenn die brodelnde Bialetti die Morgenluft einnimmt. Wenn die Zehen im Sand von sanften Wellen umsäumt werden. Wenn Haut und Luft nach Salz schmecken. Wenn die Bergluft ganz leicht schmeckt. Wenn das Klicken der Fahrradkette besonders schön hallt. Wenn Momente die Seele erfüllen.

Wenn August niemals enden sollte.

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Lebensfreude.

Es ist wie ein neues Möbelstück das man wie ein kleines Kind kaum erwarten kann aufzubauen und anzuschauen und wieder anzuschauen und sich gar nicht daran satt sehen kann. Ganz unbeschwert voller Leichtigkeit durch das Leben getragen werden ist nicht leicht. Man steht vor Entscheidungen, erfährt Rückschläge, ist auf der Suche. Und manchmal überschwemmt sie einen, hemmt einen klar und deutlich zu sehen und zu fühlen. Übertüncht all das was war für einen Augenblick oder zwei. Begleitet von Singsängen. Tanzend durch die Straßen laufen. Voller Energie für enge Umarmungen. Einfach losrennen ohne Halt und ohne Ziel in Sicht. Über die Baumstämme, die sich in den Weg legen springen und sich nicht beirren lassen. Nicht wertend, nicht vergleichend, die Gedanken kreisen und eins sein. Im Einklang mit sich selbst, mit den eigenen Gedanken und der Seele. Momente geschehen lassen und akzeptieren so unperfekt wie sie sind. Die Unperfektheit anfangen zu lieben. Ohne Erwartung. Unbeschwert und leicht.

Die Frau in Nicaragua, die von vielen Schicksalsschlägen getroffen wurde und trotz Armut und allem Geschehenen mich aufgenommen hat und ein Bett angeboten hat. Voller Herzlichkeit und Freude ein Abendessen auf den Tisch gezaubert hat mit den wenigen Dingen, die sie hatte. Aus Gastfreundschaft und Freude darüber einen Gast bei sich aufnehmen zu dürfen. Die Mutter und Tochter auf der kleinen Hütte in der Nähe des Berggipfels und die Familie im Bergdorf unweit des Tals. Alle mit einer Geschichte auf dem Herzen. Die Verständigung mit Händen und Füßen und durch die Augen. Die so viel erlebt haben. So viel gesehen haben. Diese Augen, die so viel erzählen wollen und doch nur so wenig erzählen können. Sich mit der Gestik auseinandersetzen die Personen ganz genau beobachten und versuchen zu verstehen. Zu verstehen, wie der Mensch fühlt und lebt, der einem gegenübersitzt. Von einer Lawine verschüttet und seitdem geblendet durchs Leben gehend. Den Sohn verloren, die Tochter, die zweimal im Jahr den Weg in die Berge aus Kathmandu antritt, wenn gerade Semesterferien sind. Auf die man so stolz ist es geschafft zu haben und doch wehmütig, weil es auch das Ende des eigenen Aufgebauten bedeutet. Ein Wandel bedeutet hin zur neuen Realität hin zu etwas das man selbst nicht verstehen gelernt hat. Hat man doch die Freude in kleinen Dingen erfahren und akzeptiert so wie es ist, ohne mehr zu erwarten und mehr zu wollen. Aber Zeiten und Menschen ändern sich. Andere nennen es einen Generationswandel.

Der Mönch in Myanmar, der ganz interessiert daran ist die Welt zu verstehen Kulturen zu verstehen. Viele Dinge in Schriften liest und versucht zu verstehen. Englisch Unterricht nimmt, um die Außenwelt zu verstehen. Bei dem ich erst lange Überlegen musste was ich antworte. Ganz andächtig den Sinn des Lebens auf den Grund gehend. Nach fünf Minuten schwankte ich schon zwischen ich will jeden Tag glücklich aufwachen und einschlafen und ich will sinnstiftendes Tun. Im Rückblick macht alles Sinn. Der Tag, der Sonnenaufgang, der Mönch, das Kloster und die unberührte Landschaft und Pagoden.

Ja alle Begegnungen sollten so sein in diesem Moment zu dieser Zeit. Viele Gespräche die einen nachdenken lassen. Ruhend in sich selbst in dem eigenen Sein und der Sinnfrage direkt gegenüberstehend. Was schätz man eigentlich selbst am eigenen Leben. Wie und wo möchte man es weiterführen? Oft birgt ein Mensch genau alle Antworten auf diese Frage ein Gegenüber für dich so gewohnt und selbstverständlich. Es macht Sinn es ist schön und fühlt sich richtig an. Richtig gut. Und gemeinsam startet man eine ganz neue Reise hat eine ganz neue Ansicht auf die Sinnfrage.

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Glück.

Buddha sagte einst. Es gibt nicht den Weg zum Glück, das Glück ist der Weg. Andere sagen das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Das Glück das man auf dem leicht und stetig rundenden Rücken. Hinter den stark ausgeprägten Schultern fühlt sich das Leben ganz leicht an. Wie schweben über der Erde. Fast wie Fliegen. Schwebend mit viel Leichtigkeit und Vertrauen. Ein Vertrauen, das auf Gefühl und Emotionen basiert. Ganz zart zu zerbrechen neigt bei nur der kleinsten ruckartigen Bewegung.

Wieder andere erfreuen sich an den kleinen Dingen. Ein kleines Lächeln das der entgegenkommenden Person übers Gesicht huscht. Eine kleine Blume am Straßenrand, die einem die Blüten entgegenstreckt. Das Danke einer alten Dame, der man im Supermarkt das Produkt vom hohen Regal reicht. Ein Satz deiner Tochter gefolgt von einem stolzen verschmitzten Lächeln. Eine neue Bewegung, eine neue Fähigkeit ganz spielerisch erlernt. Tänzelnd den Weg entlangschlendernd und sich an all den Dingen erfreuend, die uns doch s oft normal und alltäglich erscheinen. Mit leuchtenden Augen und offenen Ohren. Wir sollten von Kindern lernen das Glück nicht in kleinen Dingen zu suchen, sondern viel mehr zu finden.

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Liebe.

Liebe ist so vielfältig und facettenreich. Bei all meinen Reisen entdeckte ich die Liebe zur Natur wieder neu. Das Leuchten der pinken Blüten, die den Frühling noch schöner machen und in ein rosarotes Meer der Liebe tauchen. Oder der rosarote Horizont, an dem ich mich nicht satt sehen kann, wenn ich eine Runde um den Landwehrkanal drehe. Ganz ruhig liegt alles da. Der Himmel in ein lila-rosa getaucht und von den unteren Streifen sind langsam die orangenen fast gelben Töne des neuen Tagesanbruchs zu sehen. Der Nebel, der dahinschwindet verdrängt von dem Licht die Weite sucht und sich irgendwann auflöst. Ein Schwan der auf dem unberührten Wasser eine Spur hinterlässt. Ganz seicht und leise gleitet er über das Wasser und im Hintergrund begrüßen auch die Vögel den neuen Tag.

Für solche Momente steht man auch beim Reisen gerne früh auf. Diese ruhigen unberührten Momente. Allein an einer Stelle und doch nicht einsam, da man so viel Eindrücke bekommt. Auf den Hügeln nahe des Sierra Nevadas in der Dunkelheit aufgestiegen, um den langsam aufsteigenden Ball zu beobachten. Bei jedem Schritt wurde es lichter und der Tagesanbruch stand ganz nah. Bis der Tag die Dunkelheit verdrängte und Blick auf die unberührte Landschaft frei gab. Oder Bei dem Aufstieg auf den Vulkan, um der Hitze des Tages zu entfliehen. Je lichter es wurde, desto eher wurde die Lava, die den Tiefen des Vulkanlochs entsprangen zu einem Hauch aus Rauch, der dem Loch entfloh und sich irgendwo in der Weite des Horizonts verlor. Ohne viele Gedanken, ohne Sorgen des Vortages oder Erwartungen für den heutigen Tag. Der Tag liegt vor einem. Ganz still und herausfordernd kommt er langsam entgegen. Und man saugt ihn auf mit all deinen Sinnen, dass er bestehen bleibt. Dass man ihn in Gedanken weitertragen kannst.

Auch wenn das Bild abgerundete und verblasste Formen annimmt und die Gefühle auch nicht mehr dieselben sind trägst man ihn dennoch ganz tief im inneren Herzen. Ob nun ein Moment oder ein Mensch. Das Gefühl bleibt das Gleiche und vielleicht auch die Leidenschaft. Jeden Tag aufs Neue die Chance das Beste aus dem Tag zu entwickeln zu zweit. Diese ruhigen Momente ohne Worte zu verlieren und doch miteinander zu sprechen. Sich verstehen ohne Erklärung. Solche Sonnenaufgänge ohne Gedanken, ohne Erwartungen. Einfach Sein und genießen. Die Sonne breitet sich aus und der Tag bricht an. Sie verdrängt alle Dunkelheit und Ungewissheit.

Ein Mensch, drängt sich hinein, nein fließt hinein. Irgendwann und irgendwie und doch war es so bestimmt und gewollt. Bestimmt dafür genau für diese Person den Platz im Herzen ganz weit und breit zu machen. Rein zu lassen. Ob für einen Augenblick, einen Tag oder ein ganzes Leben. Noch so frisch und energiegeladen. Ein Blick und man schwimmt in der Tiefe des Ozeans. Man wird mitgenommen auf eine andere Reise. In die Welt des anderen. Eine Reise, die nie enden soll und will. Eine Reise voller Momente die sich in das innere Auge prägen. Voller Leidenschaft und Gefühlsexplosionen. Manchmal so stark, dass man den ganzen Tag ein Lächeln auf den Lippen trägt. Und irgendwann so selbstverständlich da. Wenn man aufwacht, wenn man den Tag startet, den ersten Kaffee des Morgens genießt. So präsent und so real und doch fühlt es sich an wie in einem Traum, aus dem man nie aufwachen möchte. Voller Leidenschaft, manchmal Wehmut, manchmal voller Erinnerungen und Erlebnisse und dennoch voller Gefühl.

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Was passiert.

Was passiert, wenn wir uns umdrehen und weglaufen. Laufen in die gegengesetze Richtung. Wenn wir nicht davonrennen, sondern gezielt einen anderen Weg einschlagen. Wenn wir versuchen uns wieder zu finden. Zu finden in dem See der Möglichkeiten und der vielen Erwartungen. Schwimmend bewegen wir uns übers Wasser. Manchmal höhere Wellen, manchmal sanftere. Manchmal so sanft, das man meint still zu stehen. Andere Male so intensiv, dass man meint unterzugehen.

Doch was ist darunter? Lediglich die Angst. Vielleicht sind unten Perspektiven, die man nie in Erwägung gezogen hat. Was passiert wenn wir auf Pause drücken. Was passiert wenn wir die Zugkraft, die uns nach unten zieht näher betrachten. Verpflichtungen, unausgesprochene Ansprüche, Verantwortungen, Loyalität, und Verlässlichkeit. Der Anspruch alle Feuer löschen zu müssen, ohne einzusehen, dass keines komplett ausgehen wird, wenn man überall Wasser darüber gießt. Der Anspruch keine Timeline zu führen und gleichzeitig Prioritäten zu setzen, mit der Tendenz emotional zu scheitern. Alle zufrieden zu stellen – mit einem Lächeln auf dem Gesicht. So lange bis es sich sanft legt und erstmal nicht auffindbar ist. Wie viele Feuer können wir ertragen. Wie lang ist unser Löschschlauch, und wie groß unser emotionaler Wasservorrat. Mit jedem Feuer bewegen wir uns langsam aber stetig auf die Wahrheit zu. Die Wahrheit der Grenzen. Die Wahrheit der Wasseroberfläche, die uns noch trägt.

Was passiert, wenn wir weitergeleitete Ideologien bis zum Feuer verfolgen. Was passiert, wenn wir so lange an Beziehungen festhalten, die uns unbewusst Energie rauben, bis wir schon unter der Wasseroberfläche sind. Was passiert, wenn wir uns neu fokussieren, anders auf den plötzlich aufkommenden Regen blicken. Was passiert, wenn wir durchatmend mit einem Fuß in der Pfütze die gemalten Wolken am Himmel betrachten. Was passiert, wenn wir uns von Menschen inspirieren anstatt ertränken lassen. Was passiert, wenn wir unserer Erreichbarkeit Grenzen aufsetzen. Was passiert, wenn wir Durchatmen und Sein lassen. Was passiert, wenn wir im vielen und im wenigen akzeptiert werden.

Was passiert, wenn wir uns umdrehen und in die intuitiv richtige Richtung laufen. Was passiert, wenn wir uns umdrehen und nicht mehr laufen.

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The Distance That Knew Us

The time I spent in New York brought memories flooding back—of who I was, who I am, and what I still hope for in life and love. I wandered the city with no set destination, letting it guide me. People passed, coffee in hand, impatient with the slow walkers blocking their path. I paced down Broadway, flustered by the chaos on Fifth Avenue and the Brooklyn Bridge, but found peace in my runs through Central Park. I noticed the ones playing pickleball midday, felt misplaced in Flushing and Harlem, and still, the diversity and energy of each district amazed me. It was my third time here—and some neighborhoods, I could now imagine calling home.

I consumed it all: the ring of the bagel shop door, the scent of fresh flowers, weed on the corners, the soft hum of park conversations. The wine was tangy and slightly sweet; the fruity IPA refreshing. The melted cheese on a veggie burger—exactly as indulgent as it should be.

I remembered my ginger beer phase, root beer floats, and Culver’s ice cream runs. The kitchen back then smelled like oatmeal and cinnamon bagels—nothing beat that. In school, we lined up for whole wheat sandwiches and blueberry muffins, and I finished all the algebra problems, not knowing “odd” didn’t mean all. The house was filled with classical music and black-and-white films. That music stayed with me, a soundtrack to late-night study sessions and exam mornings. I thought of the delicious teas from the organic store, fresh fruits and vegetables, and the nutty hazelnut note in every cup of coffee.

I saw Madea for the first time in theater club. Later, Macbeth stunned me in a Minnesota auditorium. I waited for bears—foolishly—in a cabin in Canada, no water, no electricity. I played soccer nearly every day, watched show choir in awe, only ever making crew. Seven months that felt like years. Moments that shaped me. The people I met—full of laughter and light. I started my first blog, Radieschen in Amerika, and posted weekly until life pulled me in.

There were photoshoots downtown, hours spent in basements, mac and cheese nights, s’mores by the fire, prom, and graduation.

This trip reminded me of the power of time and distance—and how easily both can collapse. We caught up in a few days, and it felt like being 16 again: goofy, sentimental, heartwarming. They’ve built lives now, each of them. And while I’m still in motion—between places, dreams, and cities—I feel grounded in who I am and what I want.

I may never say it aloud, but I’m proud of the person I’ve become. More than that, I’m proud of them—of the lives they’ve built, the paths they’ve chosen.

Maybe this is what’s left between us. La Crosse on our minds and the distance that still knew and will know us.

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Großstadtflimmern in der Betonpoesie

Berlin pulsiert – nicht laut, sondern stetig. Zwischen Beton und Geschichte wanderten wir durch Schichten der Zeit. Kaffee am Morgen wurde zu Galerien am Nachmittag, zu Gesprächen im Dunkeln, irgendwo zwischen Späti-Licht und Straßenbahnschatten. Das Herz der Stadt, das ganz unterschiedlich pocht. In neu gegründeten Cafés, in urigen und modernen Bars, in innovativen Restaurant Konzepten.

Der Puls für jeden an einer anderen Ecke. Ein Puls, der für mich in Kreuzberg immer am meisten pochte. Unterschiede bei Tag und Nacht. Parks und Umschlagsstellen die man nachts zu meiden versucht. Pils von Fass bei Punkrock, Aperol in der Sonne mit Mandelcroissants. Ecken voller Magie, schönen hölzernen Buch- und Weinläden. Antiquariate zwischen Kaffeeröstereien und Hausfassaden in Barockstil. Das Ufer des Landwehrkanals das sich mit Leben und Stimmen füllt. Markplätze mit Gemüse und Delikatessen sowie türkischen Spezialitäten. Und irgendwo immer umringt von Wasser oder Grünstreifen begleitet von dem rhythmischen Klacken der Fahrradkette.

Aus meinen Kopfhörern dröhnte Just Like Honey – ganz im Einklang mit der Playlist Euphancholie. Dieses sentimentale, melancholische, aber lebensbejahende Gefühl überkam mich wieder. Noch beim Roten Rathaus auf die U-Bahn wartend, war ich gedanklich längst zurück in der Torstraße.

Bierreiche Abende endeten in nächtlichen Spaziergängen. Gespräche über das Sein, über Sinn und Unsinn, flackerten zwischen Laternenlicht und vorbei ziehenden Taxis. Blicke wurden getauscht – solche, die mehr sagten als Worte, die Emotionen und Gefühle weckten. Personen, die aus sorglosen Momenten es immer schaffen mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Eine Nachbarschaft, die gleichzeitig Ruhe finden lässt. Ein kleines weißes Yogastudio inmitten der Stadt, fast unauffällig, aber voller Ruhe. Fenster, die im Winter Einblick geben in das Leben der Kreativen und der Erfolgreichen. Eine Straße, aufgeladen mit Erinnerungen.

Ein Autor, seine Worte, eine passende Playlist. Highway Patrol Stun Gun – kaum ein Lied, das so viel ausdrückt wie das, was ich vor zwei Jahren in Berlin erleben durfte. Benedict Wells und Musik – ein Gefühl, ein Rückblick, ein Herzschlag.

Und meine Gedanken enden irgendwo zwischen dem Frankfurter Tor und der Grünberger Straße. Dort, wo das Leben selbst an Donnerstagen vibriert, während München sich bereits zur Nachtruhe bettet. Dort wo graue Spaziergänge in bunte Farben getaucht wurden. Wo um jede Ecke etwas Überraschendes auf einen lauert. Ein Gefühl von der Freiheit sich jeden Tag neu zu erfinden. Irgendwo zwischen Leichtigkeit und Anstrengung. Zwischen dem Neuerfinden und dem Sicht-finden-wollen.

Nicht jede Stadt lädt zum Fühlen ein – Berlin verlangt es. Und wir lassen es zu.

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