Leises Wissen unter der Haut

Unter der Haut, aber im Bewusstsein.

Manchmal spricht der Bauch leiser als der Kopf. Kein Argument, kein Abwägen, keine Diskussion. Nur ein Dehnen spürbar unter der Haut. Ein Strom, der sich fühlbar nach oben drängt.

Ein sanftes Drängen ohne viele Worte. Ein Drängen der Wärme oder der Enge. Ein Zusammenziehen und ein Weiten im gleichen Moment. Eine Mischung, die aufweist, dass irgendetwas nicht stimmt. Sie drängt danach, das Unstimmige zu ermitteln, zu erforschen und aufzulösen. Ohne klare Begründung. Auf die Wahrheit fokussiert.

Gründe, die der Kopf sucht. Beweise, die der Kopf ermitteln möchte. Im Leisen versucht man, das Gefühl mit dem Kopf zu überhören, zu diskutieren, umzudeuten. Und wenn der Bauch lauter ruft, wenn das Zusammenziehen sich intensiviert, übernimmt die Klarheit der Wahrheit jede Begründung. Die Wahrheit wird zur innerlichen Bestätigung. Zu einer Wärme, die den Körper durchdringt.

Es ist kein Drama der Argumente. Vielmehr eine Erinnerung.

Eine Erinnerung an alles, was man schon erlebt, gespürt, überstanden hat. Eine Erinnerung an Erfahrungen, an Erlebtes, an Muster. Erinnerungen an kurze Momente, an Nuancen, an Blicke. Erinnerungen an Pausen in den Worten, an Bindungen und Wendungen. Eine Erinnerung daran, wie jemand bleibt oder nicht bleibt. Eine Erinnerung an gespürte oder gespielte und aufgetragene Nähe.

Eine Wahrheit, die zwischen Vorsicht, Zurückhaltung und Distanz zu unterscheiden weiß. Eine Wahrheit, die klar unter einem Lächeln aus Höflichkeit und Wärme zu unterscheiden weiß. Eine Wahrheit, die verdeckte Flüsse und Verzweigungen erkennt.

Das Schwierige am Bauchgefühl ist nicht, es zu hören. Es ist, ihm Glauben zu schenken.

Zu glauben bedeutet, aufzuhören zu hoffen, wo keine Bewegung ist.

Es bedeutet, Mut zu zeigen, wo die Offenheit stetig wächst.

Es ist weniger Sehnsucht. Es ist vielmehr ein innerer Kompass. Ein Kompass, der nicht vor Enttäuschung schützen kann, sondern einer, der davor schützt, sich selbst nicht zu verlieren. Und vielleicht suchen wir dies mehr, als wir zu hören vermögen. Die Kunst der Selbsttreue. Nicht laut. Nicht aufregend. Nicht dramatisch.

Allein ein bestimmtes Wissen unter der Haut, das die Ränder der Grenzen aufweist – und die Weite.

Und all dies darf wahrgenommen werden.

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