Sitzend auf der Feuertreppe, und doch nicht erreichbar.
Distanz in der zuvor gespürten Nähe. Manche Verbindungen existieren im Zwischenraum. Nicht im Hier. Nicht im Dort. Nicht in der Beziehung. Nicht im Mehr. Ein Raum ohne Wände, der trotzdem Form hat. Eine verzerrte Form, die man versucht zu greifen und in einen Rahmen zu gießen. Einen Rahmen der nicht zu sehen ist. Nur zu erahnen. Irgendwo in der eigenen Intuition fühlbar. Zwischen Haut und Herz.
Man lernt den Raum langsam kennen. Zu spüren. Wie er sich anfühlt in der Nähe ohne zu sein. Wie die Stille lauter werden kann als die Nachricht selbst. Wie man aufhört die Initiativen zu zählen, weil das Zählen das Gefühl klein macht. Klein im Kern der Gefühle. Wie ein Schriftzug, der mit der Intimität kleiner wird. Mit der Ernsthaftigkeit und Wahrheit schrumpft. Nicht wegen inkorrekter Wahrnehmungen, sondern durch den sinkenden Glauben an sich selbst. Der Raum, der unwillkürlich zu schrumpfen beginnt mit jeder tickenden Stunde.
Und man lässt ihn schrumpfen. Weil das Benennen ihn kleiner macht als das Schweigen.
Es gibt Momente die sich einschreiben ohne zu fragen. Ein Abend, ein Lachen, ein Text der zu spät kam oder zu früh. Fragen die keine Antwort suchen. Nur Raum. Ein Raum in der Schwebe. Zwischen Vermutung, Anmut und Emotion.
Und dann die Irritation. Nicht als Vorwurf. Nicht in der Lautstärke. Eher wie ein Temperaturwechsel den man im Körper spürt bevor der Himmel sich dreht. Ein vertrautes Muster das an Komplexität gewinnt. Das seine Form verändert. Im langsamen Verschieben der Eckpfeiler. Wie eine Melodie, die falsche Töne trägt, obwohl man sie im Kopf auswendig abspielen kann. Kaum hörbar. Man sucht nach dem Moment zu erlauschen, wo der Ton kippte. Dreht Momente der Erinnerung um wie Muscheln am Strand. Die Muschelformen, die nicht eindeutig sind. Nicht vollständig. Nicht von Schönheit getragen. Abgetragen vom Meer an den Enden. Die Wellen, die darüber gleiten. Sanft, aber abtragend. Die Muscheln, die von Zacken geprägt sind. Die Muscheln, die weiß leuchten in der Vollständigkeit. Die Muscheln mit grünem Saum – gesäumt von vergagenem. Jede Muschel eigen auf die eigebe Weise. Kantig und gleichermaßen abgerundet. Aber alle geerdet im Sand. Tiefliegend, um den Umtreibungen gegen stehen zu können. In der Sanftmut und Ruhe.
Stille die dort wächst, wo zuvor Worte füllten. Und die Frage ob die Stille schon immer da war. Nur überhört.
Vielleicht ist Irritation die ehrlichste Emotion. Sie entsteht nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern aus der Präsenz. Mit allen Sinnen, bekannten Tönen und Formen anwesend sein im Hier — nicht im Zwischenraum. Die anderen gehen einfach weiter.
Draußen zieht die Stadt vorbei. Das bekannte Bild. Gleichgültig, lebendig, ohne Rücksicht auf innere Temperaturwechsel. Menschen die in eine gewissenhafte Richtung streben. Schritte, die einen Rhythmus kennen. Irgendwo Musik aus einem geöffneten Fenster. Der Klang zu kurz, um die Melodie zu erkennen. Nur der Nachklang bleibt.
So auch das hier. Nur der Nachklang. Der Nachklang einer längeren Unterhaltung, die im Leben der Stadt versandet.
Dem Nachklang folgt das Leben. Wie zuvor, als ob keine Töne geklungen hätten. Als ob keine Stille geherrscht hätte. So fremd wie die Gesichter der Straßen der Stadt.
Manche Verbindungen enden nicht. Sie hören einfach auf anzufangen.