Vom Wenn. Vom Schweben. Zum Sein.

Was würde passieren, wenn ich dich einfach vergessen würde. Wenn ich das Meer sein lassen würde. Die Tiefe in eine Oberflächlichkeit verwandelte.

Was wäre, wenn ich ohne dich nach vorne blicke. Dich sein lasse. Dein Leben gestalten lasse, ohne Anteil daran zu nehmen.

Was wäre, wenn ich die Emotionen ignoriere. Die Leichtigkeit mit dir verliere.

Was wäre, wenn ich aufhöre durch dich an mich zu glauben.

Was wäre, wenn ich der Tag ohne dein Lächeln starten würde.

Was wäre, wenn ich die Welt ohne deinen Blick weiter entdecke.

Was wäre, wenn ich an dir vorbei gehe, anstatt auf dich zu zu gehen.

Was wäre, wenn ich der Welt eine Farbe geben würde, die du nicht siehst.

Was wäre, wenn die Zeit schneller rinnen würde.

Was wäre, wenn ich blind für die Wahrheit bleiben würde.

Was wäre, wenn der Schwebezustand plötzlich enden würde.

Was wäre, wenn du mich nicht mehr erkennen könntest.

Was wäre, wenn ich die Worte wieder finden würde, um das uns zu beschreiben.

Was wäre, wenn sich das leere Blatt ohne dich füllt.

Was wäre, wenn ich aufblicken würde und die Weite des Meeres erkenne.

Was wäre, wenn das Salz auf der Wange süß schmecken würde.

Was wäre, wenn das wenn nicht wäre und das Sein dominiert.

Und vielleicht ist das Meer nicht das Loslassen und nicht das Halten.

Vielleicht ist es das Wissen, dass Salz auf der Wange beides gleichzeitig schmeckt. Nach dir und nach mir und nach den Wellen, die uns tragen, auch wenn wir aufgehört haben zu schwimmen.

Und vielleicht füllt sich das Blatt nicht ohne mich. Vielleicht füllt es sich mit etwas, das ich noch nicht kenne, das aber schon in den Zeilen wartet.

Zwischen dem Wenn und dem Sein, dort wo das Salz seinen Geschmack wechselt

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Manche Verbindungen

Sitzend auf der Feuertreppe, und doch nicht erreichbar.

Distanz in der zuvor gespürten Nähe. Manche Verbindungen existieren im Zwischenraum. Nicht im Hier. Nicht im Dort. Nicht in der Beziehung. Nicht im Mehr. Ein Raum ohne Wände, der trotzdem Form hat. Eine verzerrte Form, die man versucht zu greifen und in einen Rahmen zu gießen. Einen Rahmen der nicht zu sehen ist. Nur zu erahnen. Irgendwo in der eigenen Intuition fühlbar. Zwischen Haut und Herz.

Man lernt den Raum langsam kennen. Zu spüren. Wie er sich anfühlt in der Nähe ohne zu sein. Wie die Stille lauter werden kann als die Nachricht selbst. Wie man aufhört die Initiativen zu zählen, weil das Zählen das Gefühl klein macht. Klein im Kern der Gefühle. Wie ein Schriftzug, der mit der Intimität kleiner wird. Mit der Ernsthaftigkeit und Wahrheit schrumpft. Nicht wegen inkorrekter Wahrnehmungen, sondern durch den sinkenden Glauben an sich selbst. Der Raum, der unwillkürlich zu schrumpfen beginnt mit jeder tickenden Stunde.

Und man lässt ihn schrumpfen. Weil das Benennen ihn kleiner macht als das Schweigen.

Es gibt Momente die sich einschreiben ohne zu fragen. Ein Abend, ein Lachen, ein Text der zu spät kam oder zu früh. Fragen die keine Antwort suchen. Nur Raum. Ein Raum in der Schwebe. Zwischen Vermutung, Anmut und Emotion.

Und dann die Irritation. Nicht als Vorwurf. Nicht in der Lautstärke. Eher wie ein Temperaturwechsel den man im Körper spürt bevor der Himmel sich dreht. Ein vertrautes Muster das an Komplexität gewinnt. Das seine Form verändert. Im langsamen Verschieben der Eckpfeiler. Wie eine Melodie, die falsche Töne trägt, obwohl man sie im Kopf auswendig abspielen kann. Kaum hörbar. Man sucht nach dem Moment zu erlauschen, wo der Ton kippte. Dreht Momente der Erinnerung um wie Muscheln am Strand. Die Muschelformen, die nicht eindeutig sind. Nicht vollständig. Nicht von Schönheit getragen. Abgetragen vom Meer an den Enden. Die Wellen, die darüber gleiten. Sanft, aber abtragend. Die Muscheln, die von Zacken geprägt sind. Die Muscheln, die weiß leuchten in der Vollständigkeit. Die Muscheln mit grünem Saum – gesäumt von vergagenem. Jede Muschel eigen auf die eigebe Weise. Kantig und gleichermaßen abgerundet. Aber alle geerdet im Sand. Tiefliegend, um den Umtreibungen gegen stehen zu können. In der Sanftmut und Ruhe.

Stille die dort wächst, wo zuvor Worte füllten. Und die Frage ob die Stille schon immer da war. Nur überhört.

Vielleicht ist Irritation die ehrlichste Emotion. Sie entsteht nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern aus der Präsenz. Mit allen Sinnen, bekannten Tönen und Formen anwesend sein im Hier — nicht im Zwischenraum. Die anderen gehen einfach weiter.

Draußen zieht die Stadt vorbei. Das bekannte Bild. Gleichgültig, lebendig, ohne Rücksicht auf innere Temperaturwechsel. Menschen die in eine gewissenhafte Richtung streben. Schritte, die einen Rhythmus kennen. Irgendwo Musik aus einem geöffneten Fenster. Der Klang zu kurz, um die Melodie zu erkennen. Nur der Nachklang bleibt.

So auch das hier. Nur der Nachklang. Der Nachklang einer längeren Unterhaltung, die im Leben der Stadt versandet.

Dem Nachklang folgt das Leben. Wie zuvor, als ob keine Töne geklungen hätten. Als ob keine Stille geherrscht hätte. So fremd wie die Gesichter der Straßen der Stadt.

Manche Verbindungen enden nicht. Sie hören einfach auf anzufangen.

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